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Der heilige Nikolaus von Myra
ist einer der bekanntesten Heiligen sowohl der Ostkirchen als auch der
lateinischen Kirche. Sein Gedenktag, der 6. Dezember, wird weltweit
gefeiert. Hierzulande ist er vor allem als Beschenker der Kinder zum Nikolausfest
bekannt. Doch der um 260 in Kleinasien geborene Heilige, der 295 zum Bischof
von Myra (heute Demre in der Türkei) berufen wurde, war mehr als nur
ein Kinderfreund. Als Fürsprecher seines Volkes und Verteidiger des
wahren Glaubens litt er unter den Verfolgungen von Kaiser Diokletian. Er
nahm am Konzil von Nizäa (325) teil und kämpfte dort gegen die
Irrlehre des Arianus, die die Göttlichkeit Jesu leugnete. Durch sein
selbstloses Wesen und seinen unermüdlichen Einsatz für die Armen,
Verfolgten und Hungernden seines Volkes, erwarb sich Nikolaus große
Verdienste. Viele Bräuche, die sich um seinen Gedenktag entwickelt
haben, gehen auf sein menschenfreundliches, gläubiges Wirken zurück.
Viele Berufsstände und Städte haben sich den hl. Nikolaus
zu ihrem Patron erwählt. So ist er etwa Patron Russlands, Serbiens,
der Seefahrer, Ministranten und Kinder. Seine sterblichen Uberreste befinden
sich heute in Süditalien, nachdem 1087 italienische Kaufleute die
Gebeine des Heiligen aus der Grabstätte in Myra raubten und sie in
die süditalienische Hafenstadt Bari überführten. Dort wurde
ihm eine Basilika erbaut wurde, die bis heute das Ziel zahlreicher Pilger
ist.
Das Kornwunder
Der heilige Nikolaus kümmerte sich nicht nur um die Verbreitung
des Evangeliums, sondern sorgte sich auch immer um die Bedürfnisse
der Armen und Notleidenden. Während seiner Zeit als Bischof von Myra
traf das Land eine große Hungersnot. Mit zahlreichen Initiativen
half er die Not zu lindern. Als eines Tages ein Schiff im Hafen vor Anker
lag, das Getreide für den Kaiser in Byzanz geladen hatte, bat er die
Seeleute, einen Teil des Kornes auszuladen, um in der Not zu helfen. Sie
wiesen die Bitte zurück, weil das Korn genau abgewogen beim Kaiser
abgeliefert werden müsse. Doch Nikolaus konnte sie davon überzeugen,
dass alles gut für sie ausgehen würde. Das Getreide wurde ausgeladen,
die Bevölkerung hatte wieder Brot und Saatgut. Als die Seeleute in
der Hauptstadt ankamen, stellten sie verwundert und dankbar fest, dass
sich das Gewicht der Ladung trotz der entnommenen Menge nicht verändert
hatte. Dieses Wunder ist der Ursprung des vielerorts bekannten Brauches
vom „Nikolausbrot".
Bändiger des Seesturms
Eine Legende erzählt, wie in Seenot geratene Schiffsfahrer
den heiligen Nikolaus anriefen, ihnen zu helfen. Daraufhin erschien ihnen
ein mit Wunderkräften ausgestatteter Mann und navigierte das Schiff,
setzte die Segel richtig und der Sturm flaute ab. Dann verschwand der Mann
wieder. Als die Seeleute in der Kirche von Myra zum Dank für ihre
Rettung vor dem Bild des Heiligen beteten, erkannten sie darin den Wundertäter
wieder und dankten ihm. Diese und ähnliche Berichte machten Nikolaus
zum Patron der Seefahrer.
Heimführung eines Knaben
Der kleine Basilius war Sohn eines Bauern, der den hl. Nikolaus
sehr verehrte. An einem 5. Dezember ging er zusammen mit seinem Sohn zur
ersten Vesper des Nikolausfestes. Während des Gottesdienstes brach
eine Horde Sarazen in die Kirche ein und entführte den Jungen, der
dem Emir von Kreta übergeben wurde und ihm als Mundschenk zu dienen
hatte. Am Nikolausfest des folgenden Jahres, der Junge hatte entsetzliches
Heimweh und betete - wie zu Hause seine Eltern - zum Hl. Nikolaus um Hilfe.
Da sagte der Emir zu dem Jungen: „Hänge dich nicht an unerfüllbare
Hoffnungen, niemand kann dir helfen, nicht einmal jener Nikolaus, den ihr
so verehrt!"
Augenblicklich kam sein heftiger Sturm auf und riß den Jungen
mit. Zur selben Zeit aber fand sich der Junge wieder bei seinen Eltern
im heimischen Garten.
Das Myron oder „Manna" - eine wunderbare Flüssigkeit Myron
oder „Manna" bezeichnet eine Flüssigkeit, die sich im Grab des Heiligen
immer neu sammelt und die aus den Reliquien des heiligen Nikolaus fließen
soll. Schon in der Frühzeit pilgerten Gläubigen zum Grab des
Heiligen, das sich damals noch in Myra befand, um diese Flüssigkeit
aufzusammeln.
Als Seeleute aus Bari 1087 den Sargdeckel aufbrachen, um die Gebeine
des Heiligen mit nach Italien zu nehmen, fanden sie diese wie schwimmend
in dieser Flüssigkeit. Auch in der neuen Gruft in Bali setzte sich
das Phänomen fort und es bildete sich diese Flüssigkeit weiter,
obwohl der Sakrophag hermetisch abgeschlossen ist.
Bald enstand der Brauch, diese Flüssigkeit in kleine Fläschchen
abzufüllen und an Gläubige weiterzugeben. Schon in der Bulle
von Papst Clemens VI. (1343) und den Offenbarungen der hl. Birgitta von
Schweden (1370) wird die Flüssigkeit erwähnt. Seit 1951 betreuen
Dominikaner des Grab des hl. Nikolaus und führen den frommen Brauch
des Manna weiter, der vielen Kranken Trost und Linderung bereitet. Einmal
im Jahr - am 9. Mai, dem Festtag der Ankunft der Reliquien in Bari - wird
das verschlossene Grab im Beisein einer großen Gemeinde geöffnet.
Dabei werden zwei bis drei Becher dieser Flüssigkeit aufgefangen und
dann in ein großes Becken mit Weihwasser geschüttet, von wo
es in kleine Fläschchen abgefüllt und im Klosterladen für
Gläubige angeboten wird.
Einer Untersuchung der Universität Bari zufolge handelt es
sich bei der Flüssigkeit um ein besonders reines Wasser. Seine Herkunft
ist für viele Gläubige ein Wunder. Andere meinen, es könnte
sich um Kondenzwasser handeln. Jedenfalls hat diese Flüssigkeit die
Reliquien berührt und ist somit selbst zur Berührungsreliquie
geworden. Viele berichten, durch den Gebrauch des Wassers Kraft und Heilung
gefunden zu haben.
Das Grab des heiligen Nikolaus befindet sich in der Krypta der Basilika
von Bari/Italien.
Guter Gott, die heilige Familie fand in Ägypten
Aufnahme. Sie wird dort bis heute tief verehrt. Wie damals die heilige
Familie, so erleben auch heute viele Menschen Furcht und Unsicherheit.
Wir bitten dich: Für alle, die Angst haben, vor dem was auf sie zukommt:
Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung, Gott!
Für alle, die niedergedrückt sind
von Enttäuschung und Resignation: Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung,
Gott!
Für alle, die verzweifelt sind, weil
ihre Freiheit schwindet: Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung, Gott!
Für alle, die um ihr Leben fürchten,
weil sie dich bekennen: Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung, Gott!
Für alle, die Armen und Verachteten in
deinem Namen Hoffnung und Zukunft schenken: Sei du ihre Kraft und erfülle
sie mit der Freude deiner Nähe. Amen.
Quelle: missio, Aachen 2013
(Quelle: "Fatima ruft", Heft 4/2015,
Nr. 231, S. 8-11 , Kisslegg)