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Dr. Anton Hostnik, Graz |
2.
Der in den Himmel aufgefahren ist
Seine Himmelfahrt
hat Jesus bereits in seinen früheren Reden angekündigt, indem
er sagte: »Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre
es nicht so, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch einen
Platz zu bereiten« (Jo 14,2). »Nun
aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt
mich: Wohin gehst du? ... Es ist gut für euch, daß ich hingehe;
denn wenn ich nicht hingehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn
ich aber hingehe, werde ich ihn euch senden« (Jo 16,5 u. 7).
Nachdem der Auferstandene
durch 40 Tage seinen Jüngern erschienen war, hielt er ihnen eine Abschiedsrede
und befahl ihnen: »Jerusalem nicht zu
verlassen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten. ... Denn
Johannes taufte mit Wasser, ihr aber sollt in wenigen Tagen mit dem Heiligen
Geist getauft werden« (siehe Apg 1,4).
Dann führte er sie von Galiläa nach Bethanien zu, wo auf der
mittleren Höhe des Öl-berges seit damals die Stätte der
Himmelfahrt verehrt wird. »Er erhob
seine Hände und segnete sie. Während er sie segnete, schied er
von ihnen und fuhr in den Himmel hinauf« (Lk 24,50-51).
In der Apostelgeschichte wird dieser Augenblick noch etwas ausführlicher
geschildert: »Er ward vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke
entzog ihn ihren Blicken. Als sie unverwandt zum Himmel schauten, während
er hinging, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern
bei ihnen. Diese sprachen: "Ihr Männer
von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel hinauf? Dieser
Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso
wiederkommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den Himmel« (Apg
1,9-11). Wenn auch von einer Anwesenheit Mariens
nicht berichtet wird, so ist kaum anzunehmen, daß sie diesem außergewöhnlichen
Ereignis ferngeblieben ist, wo sie doch am engsten mit ihrem Sohn verbunden
war. Sie ist eben in ihrer großen Demut und Bescheidenheit ganz zurückgetreten,
damit ihr göttlicher Sohn ganz im Vordergrund stehe. »Dann
kehrten sie nach Jerusalem zurück. Als sie hineingekommen waren, gingen
sie in das Obergemach hinauf, wo sie sich gewöhnlich aufhielten...
alle verharrten einmütig im Gebete mit Frauen, besonders Maria, der
Mutter Jesu« (Apg 1,12-14). Auch daraus
kann man schließen, daß Maria mit den Aposteln gemeinsam nach
Jerusalem zurückgekehrt sein wird.
3.
Der uns den Heiligen Geist gesandt hat
In der Erwartung auf
das Kommen des Heiligen Geistes war die im Obergemach versammelte Schar
von ungefähr 120 Personen durch neun Tage im Gebet vereint. Diese
Zeitspanne wurde später daher auch für die neuntägigen Novenen
gewählt. Diese urchristliche Gebetsgemeinschaft war ausgezeichnet
durch die Anwesenheit der Jungfrau Maria, denn sie hatte auf die Botschaft
des Verkündigungsengels schon den Heiligen Geist empfangen. Daher
war es Gottes Wille, daß auch dieses zentrale Ereignis der Geistsendung
mit und durch Maria erfolge. Deshalb ist ihre Anwesenheit auch ausdrücklich
in der hl. Schrift erwähnt.
»Am Tage des
Pfingstfestes begann um die dritte Stunde (neun Uhr) des Tages ein Brausen;
gleich eines daherfahrenden heftigen Windes und erfüllte das ganze
Haus, wo sie saßen. Auch erschienen ihnen zerteilte Zungen in feuriger
Gestalt, und als sich je eine auf jeden einzelnen von ihnen niederließ,
wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in verschiedenen
Sprachen zu sprechen« (Apg 2, 1-4).
Ebenso wird berichtet, daß vor der Taufe des römischen Hauptmannes
Kornelius und seiner Verwandten sowie seiner nächsten Freunde, während
Petrus noch zu ihnen redete, »auch über
die Heiden die Gnade des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten
sie in fremden Sprachen reden und Gott lobpreisen« (Apg 10, 44^4-6).
Dazu stellt sich die Frage, weshalb in den späteren Jahrzehnten und
Jahrhunderten keine sichtbaren Ausgießungen des Heiligen Geistes
mehr erfolgten? Der Grund wird wohl der gewesen sein, weil die Sprachenkenntnis
für die rasche Ausbreitung des Christentums von entscheidender Bedeutung
war, und nur durch den besonderen Gnadenbeistand des Heiligen Geistes möglich
war. Die brausenden Winde sind symbolhaft, daß Gottes Geist die Menschen
durch Stürme zu neuer Einkehr und Bereitschaft aufrüttelt und
aufweckt. Die Feuerzungen sind Zeichen dafür, daß Gottes Geist
die Glieder der Kirche durch die Glut des Feuers reinigt. So gibt der Heilige
Geist den Ängstlichen Mut zum Bekenntnis und weckt den missionarischen
Eifer. Ausgerüstet mit den Gnadengaben des Heiligen Geistes wurden
die Apostel befähigt zur Verkündigung der göttlichen Wahrheiten.
Und so wurden sie Zeugen bis an die Grenzen der Erde.
4.
Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat
Es scheint für
uns eine Selbstverständlichkeit, daß Jesus seine Mutter in den
Himmel aufgenommen hat. Wer sonst hätte einen berechtigteren Anspruch
darauf gehabt, als sie. Maria war nicht nur ohne Makel der Erbsünde,
sondern auch das reinste und schönste Geschöpf, das Gott jemals
erschaffen hat. Welch eine Freude dürfte es daher unter den Himmelsbewohnern
gegeben haben, als sie erfuhren, daß Maria in den Himmel aufgenommen
wird. Und in der Tat war Maria eine solche Bereicherung für den Himmel,
daß man fast sagen konnte, Gott schuf einen neuen Himmel. Ihr göttlicher
Sohn wird ihr ja auch nach seiner Himmelfahrt wohl die schönste Wohnstätte
bereitet haben.
Als einziger Mensch
war die Jungfrau Maria von der Erbsünde ausgenommen, daher auch von
den Folgen der Erbsünde bewahrt. Durch die Sünde ist ja erst
der Tod in die Welt gekommen (AT Gen 3,3 NT Rom 5,12). Der
Fehler der Eva war der, daß sie überhaupt mit der Schlange einen
Dialog geführt hat. Dadurch ist sie überlistet worden. Daher
warnt uns die Hl. Schrift vor dem Dialog.
Er ist ohne Nutzen und Segen.
Auch wenn Christus gestorben ist, so folgt daraus nicht zwingend oder zwangsläufig,
daß auch Maria hätte sterben müssen. Christus ist ja freiwillig
gestorben, weil dies der Wille des Vaters war (Jo 10,17-18). Die Frage,
ob die Aufnahme Mariens in den Himmel über den Tod erfolgte, läßt
die Definitionsbulle von Papst Pius XII. über die leibliche Aufnahme
Mariens in den Himmel vom 1. November 1950 offen. Historisch zuverlässige
Berichte über den Tod gibt es nicht. Der hl. Epiphanius (t 403) wagt
nicht zu behaupten, daß Maria gestorben sei. Auch der hl. Hieronymus
(t 420), ein zuverlässiger Berichterstatter über die Gräber
der Heiligen, weiß über ein Mariengrab nichts. Die möglichen
Annahmen hierüber beziehen sich auf Jerusalem bzw. Ephesus. Möglich
wäre es allerdings, daß Maria freiwillig den Tod auf sich genommen
hat, um gleich ihrem Sohne drei Tage im Grabe zu verbringen.
Maria ist unter dem
Kreuz nach dem Willen ihres göttlichen Sohnes auch unsere Mutter geworden.
Sie hat diese Aufgabe ganz ernstgenommen. Schon als sie noch auf Erden
lebte, war sie den Aposteln und ersten Christen die beste Helferin und
Ratgeberin. Erst recht aber hat sie sich vom Himmel aus um uns Menschen
gekümmert, indem sie immer wieder in wunderbarer Weise in die Geschicke
einzelner Menschen und ganzer Nationen eingegriffen hat, um drohendes Unheil
abzuwenden. Man denke nur an die Türkenzeit und die Seeschlacht von
Lepanto vor mehr als 400 Jahren. Sie verdient daher unsere ganze Liebe.
5.
Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönet hat
Jesus hat von sich
selbst ausgesagt, daß er ein König sei. Danach ist aber auch
seine Mutter eine Königin. Da sie auf Erden die Magd des Herrn war,
hat sie Gott erhöht und sie nach der Aufnahme in den Himmel zur Königin
des Himmels und der Erde gemacht, und sie mit einer Krone gekrönt.
Durch ihre Krone wird ihre Teilnahme am Königtum ihres Sohnes ausgedrückt.
Damit ist Maria auch die Vermittlerin aller Gnaden geworden.
Maria war von der
Erbsünde ausgenommen und hat in ihrem ganzen Leben nicht die geringste
Sünde begangen, sonst hätte ja auch der Sohn Gottes nicht Wohnung
in ihr nehmen können. Sie hat auch im Gegensatz zu uns Menschen nichts
abzubüßen gehabt; und trotzdem war ihr ganzer Lebensweg ein
ständiger Kreuzweg. Es ist ihr wahrlich kein Leid erspart geblieben.
Aus den Evangelien sind ja nur jeweils die Höhepunkte ihrer Opfer
und Leiden überliefert worden, so der beschwerliche Gang nach Bethlehem
mit der ergebnislosen Herbergsuche, die Flucht nach Ägypten, der Verlust
des zwölfjährigen Knaben, schließlich die qualvollen Stunden
unter dem Kreuze ihres Sohnes. Konnte ein Leid größer sein als
das ihre?
Dafür durfte
sie auch in die Herrlichkeit ihres Sohnes eingehen und die Krone des ewigen
Lebens empfangen. Aber auch im Himmel ist sie nicht untätig. Sie
ist ja die ständige Fürsprecherin am Throne Gottes, um in ihrer
Muttersorge den Menschen Hilfe und Rettung zu bringen, das zeigen nicht
zuletzt die vielen Marienerscheinungen in den letzten Jahrhunderten.
Die Stelle in der
Geheimen Offenbarung, in der es heißt: »Ein
großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau mit der Sonne umkleidet,
der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von
zwölf Sternen« (Offb 12,1), wurde
schon sehr früh in der Kirche auf Maria bezogen. Aus diesen Worten
kann man ermessen, welch überragende Stellung und hohe Würde
Maria überhaupt besitzt.
Wenn man es heute
wagt, ihren königlichen Herrschaftsanspruch in Frage zu stellen, was
selbst innerhalb der Kirche geschieht, man denke nur an die wohlwollende
Duldung und sogar Förderung des blasphemischen Musicals »Ave
Eva« in vielen Pfarren, dann gilt es, ihre alle Menschen und Engel
überragende Hoheit und Würde zu verteidigen. Sie aber wird uns
unter ihren Schutzmantel stellen, damit wir diese apokalyptische Zeit unbeschadet
bestehen können.
(Quelle: "Dienst
am Glauben", Heft 3 - 1994, S. 84ff., Innsbruck)