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Europa unter der Fahne Mariens einigen...
Vor
30 Jahren, am 30. Mai 1964, predigte Bischof Rudolf Graber auf der Alpe
Serenissima über die Europamadonna: „Vom jüngsten Marien-Wallfahrtsort
Italiens, der Europa-Madonna aus, geht unser Blick in den Süden der
Halbinsel zum berühmtesten marianischen Wallfahrtsort Italiens, nach
Loreto, wohin Engel 1295 das Haus der Verkündigung Mariens von Nazareth
gebracht haben. Wenn die 'Casa Santa' in Loreto die Verkündigung darstellt,
so ist die Europa-Madonna das Magnificat: 'Selig werden mich preisen alle
Geschlechter Europas...'
Dieses Magnificat singen die unzähligen marianischen Gnadenstätten
und Wallfahrtsorte Europas. Das Gnadenbild vom spanischen Montserrat grüßt
die Muttergottes vom polnischen Czenstochau. Das bayerische Nationalheiligtum
Altötting, die Herzkammer des einstigen Reichs, ist eng verbunden
mit der Magna Mater Austriae von Mariazell. Luxemburg und Kevelaer gehören
ohnehin zusammen. Chartres und Le Puy bekunden die Liebe des marianischen
Frankreichs, so wie die Mutter vom Guten Rat in Genazzano und Maria als
Salus populi Romani Ausdruck der italienischen Frömmigkeit sind, nicht
zu vergessen das wieder erstandene englische Walsingham und die Muttergottes
im Schweizerland, Einsiedeln.
Zu diesen alten Marienheiligtümern, die Tausende von kleineren
nach sich ziehen, treten im Chor des Magnificats die neuen Erscheinungsorte,
mit denen die Gottesmutter gleichsam den ersten Buchstaben M ihres Namens
über Europa gezeichnet hat, beginnend mit dem portugiesischen Fatima
über Lourdes nach dem Paris der wundertätigen Medaille, dann
den Strich abwärts ziehend nach La Salette, dann wieder ansteigend
zu den belgischen Wallfahrtsorten Beauraing und Banneux und schließlich
abwärts endigend in Syrakus.
Das Abendland ist marianisch geprägt. Maria ist Imperatrix
des Reiches. Deshalb hält sie auf Bildern auch ein anderes Herrschaftssymbol
in der Hand, den Reichsapfel. Weil Maria Königin und Kaiserin des
Abendlandes ist, darum nimmt sie es unter ihren Schutzmantel. Ja, sie die
Regina und Imperatrix, wird zum apokalyptischen großen Zeichen, zur
Frau, 'mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen,
auf ihrem Haupt einen Kranz von zwölf Sternen'. ...
Wie oft hat Maria in diesen tausend Jahren Europa gerettet! Die
iberische Halbinsel im Westen, Spanien und Portugal, und das byzantinische
Reich im Osten mit der Hauptstadt Konstantinopel wissen von siegreichen
Abwehrkämpfen, die sie der Muttergottes zuschreiben. Das Rosenkranzfest
erinnert an den Seesieg von Lepanto 1571, und die Befreiung Wiens von den
Türken 1683 fand ihr liturgisches Gedenken im Fest Maria Namen. Aber
Europa hat zu einem großen Teil der Mutter den Rücken gekehrt.
Glaubenserneuerung und Aufklärung entrissen der Mutter das Königsdiadem.
Und wie Christus Tränen vergoß über das ungetreue Jerusalem,
so weint Maria zu La Salette und zu Syrakus bittere Tränen über
das Abendland. Und trotzdem, sie läßt nichts unversucht. Das
Wort des Herrn bei Isaias 66,13: „Wie wenn eine Mutter
liebkost, so will ich euch trösten" klingt beinahe wie eine
marianische Weissagung. Maria kommt zu uns nach Europa 1830 zu Paris, 1846
zu La Salette, 1858 zu Lourdes, (1876 in Mettenbuch)
und 1917 zu Fatima, (1949 bis 1951 in Heroldsbach).
In Klammer: kirchlich noch nicht anerkannt!
(Erg. d. Webm.)
Mit der Nennung dieses portugiesischen Erscheinungsortes sind wir
an jenem Punkt angelangt, wo das Marianische zu einem hochpolitischen Faktor
wird. Denn nur geistig Blinde oder hoffnungslos Böswillige können
die innere Zuordnung leugnen, die zwischen der Erscheinung Mariens im äußersten
Westen Europas in Fatima besteht und dem Ausbruch des Bolschewismus im
gleichen Jahr 1917, im Osten Europas. Und wie Maria einst sich als Retterin
erwiesen hat gegen die erste tödliche Gefahr aus dem Osten, gegen
den Halbmond Mohammeds, so will sie, die „Siegerin in allen Schlachten
Gottes", auch heute noch uns zu Hilfe kommen gegen Hammer und Sichel, gegen
diese viel schlimmere Bedrohung wiederum aus dem Osten..."
Herbert Madinger schreibt über Fatima und über die Macht
des Rosenkranzgebetes: Gott hat unserer Zeit ein großes Zeichen gegeben.
Er hat uns gezeigt, wer die Erde beherrschen wird, wenn wir uns nicht bekehren:
„Dann wird Rußland seine Irrtümer in der Welt verbreiten, Kriege
und Verfolgungen der Kirche hervorrufen: die Guten werden gemartert werden,
der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; mehrere Nationen werden vernichtet
werden." Es war ein prophetisches Wort, genau in jenem Augenblick, als
sich der Kommunismus erhob, um die Erde gottlos zu machen.
Im Oktober 1917 war die kommunistische Revolution in Moskau, der
Anfang der weltweiten Verfolgung Gottes. Im selben Oktober 1917 wurde in
Fatima geoffenbart, daß die Welt in zwei riesige Lager gespalten
ist: Christus und Anti-Christ, Glaube und Unglaube, der gigantische geistige
Endkampf Satans gegen Gott. Aber Gott hat in Fatima auch gezeigt, daß
Christus in diesem Kampf siegen wird, und zwar schon in dieser irdischen
Zeit: „Rußland wird sich bekehren, der Heilige Vater wird mir Rußland
weihen, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden. Am Ende
wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren." Das Reich Gottes wird als Reich
des Friedens und der Bekehrten offenbar werden...
Warum war Maria in Fatima 1917 die prophetische Sprecherin Gottes?
Weil sie selber ein Zeichen ist, das Gott uns gibt: Sie ist Mutter, Muttergottes,
und damit Zeichen für das mütterliche Erbarmen Gottes. Eine Mutter
liebt ihre Kinder nicht deswegen, weil sie gut und anständig sind,
sondern weil sie ihre eigenen Kinder sind! Das Erbarmen der Mütter
ist das ergreifendste Symbol für jene unbegreifliche Liebe, die Gott
dem Sünder entgegenbringt.
Gott liebt uns, nicht weil wir Bekehrte sind, sondern weil wir Seine
Geschöpfe sind. Tief in unserem Innersten wissen wir um diese Schuld
unseres Lebens: Wir leben Gott-ferne, Gott-fremd, Gott-vergessen.
Wir wissen um unsere Sünde, auch wenn wir sie nicht zugeben, auch
nicht vor uns selber; denn sonst müßten wir uns bekehren. Maria
ist das große Zeichen des Erbarmens, das Gott mit uns hat: Er liebt
uns dennoch, auch wenn wir es kaum mehr zu glauben vermögen, daß
Er uns lieben kann. Er liebt uns wie eine Mutter. Und deswegen hat Er uns
diese Mutter gezeigt, daß wir bei ihr Hoffnung und Vertrauen schöpfen:
„Siehe deine Mutter!" (Joh 19, 27). Das Konzil
hat hinzugefügt: Sie ist „Mutter der Kirche", Mutter jedes Christen.
Vertraue auf sie, auch wenn Dich das Bewußtsein Deiner Schuld bis
in den Staub niederdrückt! „Verlier nicht den Mut! Ich werde euch
nie verlassen", hat Maria in Fatima zu den Kindern gesagt. Das gilt auch
Dir.
„Betet täglich den Rosenkranz" und „Betet, betet viel!" Das
war die Wegweisung in Fatima. Seither beten Millionen Menschen täglich
den Rosenkranz. Worin besteht das Geheimnis des Rosenkranzes? Wenn Du mit
Andacht die verschiedenen Gesätzchen des Rosenkranzes betest, dann
„schaust" Du die verschiedenen Ereignisse im Leben Jesu: wie er am Ölberg
für uns Blut geschwitzt, wie Er für uns mit Dornen gekrönt
wird, wie Er gekreuzigt für uns stirbt: Du „schaust" Seine Auferstehung
voll Macht und Kraft, Du erlebst die Herabkunft des Heiligen Geistes: „Jesus,
der uns den Heiligen Geist gesandt hat." Und Du selber empfängst Jesus
so wie Maria in Deinem Herzen: „Jesus, den Du, o Jungfrau, vom Heiligen
Geist empfangen hast."
Dieses
„Schauen" ist in Wahrheit eine Art „Vision", die Gott Dir schenkt, und
zwar durch Seinen Geist. Du erlebst die Ereignisse aus dem Leben Jesu mit,
und Du empfängst dabei die Kraft und erlösende Macht Seines Lebens.
Das ist das Geheimnis des Rosenkranzes: Gott selber gießt dabei Seinen
Heiligen Geist über Dich aus, und damit Sein Leben. Dann weißt
Du: Wer Gott ist! Und deswegen beugst Du Dich dann vor Ihm zur Erde und
sagst wie Maria: „Ich bin die Magd des Herrn; mir
geschehe, wie du es gesagt hast" (Lkl,38).
Der Rosenkranz
hat eine Flut von Gnade und Segen über die Erde gebracht. Der Rosenkranz
ist das Gebet der verborgenen Gottesschau, das Gebet der Heiligen und der
Geringen, der Großen und der Kleinen. Diese Schau Gottes ist mehr
als alle Weisheiten der Welt, mehr als alle Wissenschaften und Debatten.
Denn die Früchte sind größer. Es sind die Früchte
des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Langmut.
Bete auch Du den Rosenkranz. Er ist wie ein Seil, das Dich hinaufführt
zum Thron Gottes. Die Verheißungen sind gewaltig. Maria rettet ihre
Kinder vor dem Satan. Maria ist die Sündelose, die dem Bösen
nie erlegen ist. Deswegen hat sie von Gott Macht bekommen, auch Dich vor
dem Bösen zu retten. „Heilige Maria, Mutter
Gottes, bitte für uns Sünder! Jetzt und in der Stunde unseres
Todes." Dieses Dein Gebet wird sie erhören. Bete es täglich!
(Quelle: "AVE-Kurier",
, Heft Nr. 9/10-1994 , S. 7-9 , St. Andrä)
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