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Katholischer Volkskatechismus
1914
Franz Spirago
Die Engel
1. Die Engel sind reine Geister,
die eine sichtbare Gestalt annehmen können.
Alle Engel sind Geister (Hebr 1,14) und körperlose Wesen (hl.
Gr. Nz.). Die Engel haben nur einen Geist, die Menschen aber einen Geist
und einen Leib zugleich (hl. Gr. Gr.). - Die Engel können aber aus
der Luft ätherische Leiber annehmen (hl. Gr. Gr.). So z. B. nahm der
Erzengel Raphael, der Begleiter des jungen Tobis, die Gestalt eines vornehmen
Juden Azarias an (Tob 5,18). Am Grabe des auferstandenen Erlösers
erschienen Engel in Gestalt von Jünglingen (Mk 16,4), bei der Himmelfahrt
Christi in Gestalt von Männern (Apg 1,10). - Dieser Leib der Engel
ist nur ein Scheinleib. Er ist nicht mit dem Geiste verbunden, wie die
menschliche Seele mit dem Leibe; dieser Scheinleib ist nur wie ein Schleier
über den Engel gelegt, der sofort wieder fällt, sobald der Engel
seinen besonderen Auftrag erledigt hat.
Die Engel sind erhabener als die Menschen; denn sie haben eine große
Erkenntnis und eine große Kraft.
Die Engel übertreffen an Vortrefflichkeit alle anderen Wesen,
die Gott erschaffen hat (hl. Aug.). Christus sagt, dass selbst die Engel
den Tag und die Stunde des jüngsten Gerichts nicht wissen (Mt 24,36);
daher müssen die Engel mehr wissen als die Menschen. Die Engel haben
eine große Kraft; deswegen nennt sie die Hl. Schrift oft „Gewalten
und Kräfte" (1. Petr 3,22). Der Würgengel in Ägypten tötete
die Erstgeburt. Ein anderer Engel bewirkte, dass in einer Nacht gegen 200.000
assyrische Soldaten starben im Lager des Königs Senacherib, der den
wahren Gott gelästert hatte (Jes 37,36). Die Engel haben besondere
Macht über die Elemente; dies kommt daher, weil Gott durch die höheren
Kräfte auf die niederen einwirkt. Die Engel haben also besondere Gewalt
über das Wasser; ein Engel brachte das Wasser des Schafteiches in
Wallung und bewirkte, dass jeder gesund wurde, der zuerst nach der Wallung
in den Teich hinabstieg (Joh 5,4). Die Engel haben besondere Gewalt über
die Luft; ein Engel trägt den Propheten Habakuk mit Blitzesschnelligkeit
zu Daniel in der Löwengrube, damit er ihm Speise bringe (Dan 14,35).
Etwas Ähnliches widerfuhr dem Diakon Philippus nach der Taufe des
Kämmerers (Apg 8,39). Die Engel haben besondere Gewalt über die
Erde; die Erde erbebte, als der Engel zum Grabe des auferstandenen Heilandes
niederstieg (Mt 28,2).
Gott hat die Engel zu seiner Verherrlichung und zu seinem Dienste
sowie auch zu ihrer eigenen Glückseligkeit erschaffen.
Die Engel dienen zur Verherrlichung Gottes. Denn da sie unter allen
Geschöpfen Gott am ähnlichsten sind, so erstrahlt in ihnen am
meisten die göttliche Vollkommenheit. Wie ein schönes Bild dem
Maler zur Ehre gereicht, so gereichen die Engel, diese herrlichen Ebenbilder
Gottes, Gott zur Ehre. Auch verherrlichen sie Gott im Himmel durch ihre
unaufhörlichen Lobgesänge. - Auch zum Dienste Gottes sind die
Engel erschaffen. Alle Engel sind dienende Geister; sie sind nämlich
von Gott ausgesandt zu dem Zwecke, um den Menschen behilflich zu sein in
der Erwerbung der ewigen Seligkeit (Hebr 1,14). Schon ihr Name deutet an,
dass sie Diener Gottes sind; denn „Engel" heißt so viel wie „Bote".
Betrachte auch die dritte Bitte im Vaterunser; darin wird angedeutet, dass
die Engel im Himmel den Willen Gottes erfüllen. Auch die bösen
Engel dienen zur Verherrlichung Gottes; denn Gott wendet deren Anschläge
zu seiner Ehre und zu unserm Wohle. Mit Recht nennt Goethe den Satan „eine
Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". Die Zahl
der Engel ist unermesslich groß.
Daniel bestreibt den Thron Gottes und sagt: „Tausendmaltausend dienten
ihm, und zehntausendmal hunderttausend standen vor ihm" (Dan 7,10). Die
Hl. Schrift redet oft von himmlischen Heerscharen (Lk 2,13; 3. Kön
22,19; 2. Partner. 18,18). Und Christus sagt am Ölberge, der Vater
könnte ihm mehr als 12 Legionen (= 12 x 6000) Engel zu Hilfe schicken
(Mt 26,53). Die Zahl der Engel übersteigt die Zahl sämtlicher
körperlichen Dinge (hl. Th. Aq.), deshalb auch die Zahl aller Menschen,
die je gelebt haben und noch leben werden. „Die Zahl der Engel ist größer
als die Zahl der Sterne am Himmel, der Sandkörner im Meere und der
Blätter an den Bäumen." (hl. Dion. Areop.)
Nicht alle Engel sind gleich; es gibt neun Chöre oder Rangordnungen
der Engel.
Auffallenderweise kreisen auch neun Planeten um unsere Sonne; nur
sind anstatt des fünften etwa 280 kleinere Planeten. Es besteht auch
unter den Dienern der Kirche eine gewisse Rangordnung, die sich nach der
Verschiedenheit der Amtsgewalt richtet: Das Oberhaupt in der Kirche ist
der Papst; ihm zur Seite stehen 70 Kardinäle; die vom Papste entsandten
Bischöfe leiten die Diözesen, und ihre Gehilfen, die Seelsorger,
leiten die einzelnen Gemeinden. - Die Rangordnung der Engel richtet sich
nach den von Gott empfangenen Gaben und nach den von Gott zugewiesenen
Verrichtungen. Einige Engel verherrlichen Gott mehr, andere dienen ihm
mehr (Dan 7,10). In der nächsten Nähe des göttlichen Thrones
sind die Seraphim, d. h. die Brennenden, weil sie von Liebe zu Gott gleichsam
glühen; nach ihnen kommen die Cherubim, die sich wieder durch große
Erkenntnis auszeichnen. Auch erwähnt die Hl. Schrift die Erzengel,
insbesondere: Michael (den Kämpfer mit den untreuen Engeln im Himmel),
Gabriel (den Verkündiger der Geburt Christi und der des Johannes des
Täufers), und Raphael (den Begleiter des Tobias). - Selbstverständlich
bestehen auch Rangordnungen unter den gefallenen Engeln (Eph 6,12), zumal
aus allen neun Chören Engel gefallen sind.
2. Alle erschaffenen Engel waren
anfangs Gott wohlgefällig. Doch wurden viele Engel hoffärtig
und deshalb von Gott auf ewig in die Hölle gestürzt. (2. Petr
2,4)
Alle Engel hatten anfangs den Hl. Geist in sich. Während Gott
ihre Natur schuf, hat er ihnen auch die Gnade verliehen. Man konnte auch
von ihnen sagen, was von den Menschen gilt: „Die Liebe Gottes ist in ihnen
ausgegossen durch den Hl. Geist, der ihnen gegeben worden ist" (hl. Aug.).
Gott, der aber niemanden krönt, der nicht zuerst gekämpft hat
(2. Tim 2,5), unterwarf die Engel einer Prüfung, damit sie sich die
ewige Seligkeit als Belohnung verdienen. Gott machte es geradeso wie später
mit den Menschen. Doch sind in der Prüfung viele Engel gefallen und
haben den Hl. Geist und mit ihm die heiligmachende Gnade verloren. Der
Heiland sagte, sie seien in der Wahrheit nicht bestanden (Joh 8,44). Sie
wollten nämlich Gott gleich sein. Der Prophet Jesaias spielt auf ihre
Sünde an und sagt: „Wie bist du vom Himmel gefallen,
du Morgenstern! ... Der du sprachst in deinem Herzen: Zum Himmel werd'
ich aufsteigen, über die Sterne Gottes setzen meinen Thron, ... dem
Höchsten will ich gleich sein. Ja zur Hölle fahrest du hinab"
(Jes 14,12). Es erhob sich ein großer Streit im Himmel. Michael
und seine Engel stritten mit dem Teufel und seinen Engeln. Und der Teufel
ward hinabgeworfen samt seinen Engeln, und ihre Stätte ward nicht
mehr gefunden im Himmel (Offb 12,7-9). Als die guten Engel mit den bösen
stritten, riefen sie diesen zu: „Wer ist wie Gott?"
(Auf Hebräisch „Mi-cha-el"). Doch sind
nicht alle bösen Geister beständig in der Hölle; viele sind
auch wenigstens zeitweilig in unserer Luftregion (Eph 2,2), wo sie selbstverständlich
auch Höllenpein leiden. „Dem Teufel, der seinen Platz im Himmel verlor,
erging es so, wie jenem Hund in der Fabel der Griechen, der das Fleisch
verlor, weil er nach dem Schatten des Fleisches im Wasser schnappte" (hl.
Asterius). Die gefallenen Engel heißen Teufel (= Versucher) oder
böse Geister, ihr Anführer Satan, auch Luzifer, d. h. Lichtträger,
weil er wahrscheinlich einer der höchsten Engel war. Dass die bösen
Geister einen Anführer haben, folgt schon aus den Worten Christi,
der beim Weltgerichte zu den Bösen sprechen wird: „Weichet ... ins
ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist" (Mt 25,11).
Die Zahl der gefallenen Engel ist geringer als die der treu gebliebenen
(hl. Th. Aq.). Der Fall der Engel hatte deswegen so schlimme Folgen, weil
sie zuvor hoch im Lichte standen. Der Fall aus einem höheren Stockwerke
ist immer schlimmer. Am jüngsten Tage werden auch die bösen Engel
gerichtet und ihre Bosheit und Strafe der ganzen Welt bekannt werden (Jugend.
6; 2. Petr 2,4). Wer das Dasein der bösen Geister bestreitet, greift
den christlichen Glauben an, ja er schenkt den ausdrücklichen Worten
Christi keinen Glauben.
3. Die bösen Geister sind
unsere Feinde; sie beneiden uns, suchen uns zum Bösen zu verleiten
und können uns mit Gottes Zulassung am Leibe oder an den zeitlichen
Gütern schaden.
Die bösen Geister sind unsere Feinde. Viele Heilige behaupten,
dass die Menschen die von den gefallenen Engeln verlorene Glückseligkeit
erlangen und die von ihnen verlassenen Plätze einnehmen werden. Daher
der Neid der bösen Geister. „Der Neid darüber, dass ein aus Erde
gemachtes Geschöpf an seinen Platz im Himmel kommen soll, tut dem
Teufel mehr weh, als die Flammen der Hölle" (hl. Th. Aq.). Da der
Teufel gegen Gott nichts vermag, so richtet er seine Wut gegen die Menschen,
die Ebenbilder Gottes (hl. Basil.). Ein einziger Blick auf die Geschichte
der Völker zeigt auch, dass der Satan dem Menschen alles rauben will:
die wahre Religion, die Freiheit, die Bildung, den Wohlstand, den Frieden,
kurz alle Güter. - Der Teufel suchte z. B. Christum zum Bösen
zu verleiten; er verführte wirklich die ersten Eltern im Paradiese
und den Judas (Joh 13,27). - Der Teufel kann mit Zulassung Gottes auch
an den zeitlichen Gütern schaden; er schadete Job am Vermögen
und am Leibe; auch den Besessenen zur Zeit Christi schadete er am Leibe.
Wie wir aus den Worten Christi ersehen, strebt der Teufel am meisten nach
dem Untergang der Kirche (Mt 16,18), ebenso nach dem Untergange des Oberhauptes
und der Diener der Kirche. Dies kommt daher, weil eben die Diener der Kirche
das Reich des Teufels auf Erden zerstören. Christus sagte zu den Aposteln:
„Der Satan hat verlangt, euch sieben zu dürfen
wie den Weizen" (Lk 22,31). Der Satan weiß auch, dass er mit
seinen Engeln von Dienern Christi einst gerichtet werden wird (1. Kor 6,3);
daher stellt er diesen nach, um sie zu verderben (Tert.). Der böse
Feind gleicht einem brüllenden Löwen, der umhergeht und sucht,
wen er verschlingen könne (1. Petr 5,8). Wie Gott jedem neugeborenen
Menschen einen Schutzengel zuweist, so bestimmt Luzifer, der wie ein gemeiner
Affe alle Werke Gottes nachahmen will, für jeden neugeborenen Menschen
einen Teufel, der ihn während seines Lebens mit Versuchungen belästigen
soll (Petr. Lomb.). Wir müssen es daher in diesem Leben so machen,
wie die Juden beim Wiederaufbau der eingestürzten Mauern Jerusalems
(2. Esdr 4,17); mit einer Hand müssen wir arbeiten, mit der andern
uns gegen die Feinde verteidigen.
Doch kann der böse Feind dem nicht wahrhaft schaden, der Gottes
Gebote hält und nicht sündigen will.
Ein angebundener Kettenhund kann den, der nicht in seine Nähe
geht, wohl anbellen, aber nicht beißen (hl. Aug.). Der Teufel gleicht
dem Kettenhunde, weil ihn Gott mit Ketten gebunden hat (Jud 6). Er kann
wohl auf unser Gedächtnis und auf unsere Einbildungskraft einwirken,
d. h. er kann uns versuchen, doch nie kann er unsern Verstand und unsern
Willen unmittelbar beeinflussen. Der hl. Augustin sagt: „Der Teufel kann
nur schaden durch Überredung, keineswegs durch Zwang; denn die Einwilligung
kann er uns nicht abzwingen." Der Teufel gleicht also einem Fischer, der
die Angel mit der Lockspeise ins Wasser wirft. - Schlechte Gedanken, die
uns der Teufel eingibt, muss man daher sofort energisch zurückweisen.
Deshalb sagt der hl. Jakobus: „Widersteht dem Teufel,
so wird er von euch fliehen" (Jak 4). Christus fertigte den Teufel
kurz ab, indem er zu ihm sprach: „Weiche Satan" (Mt
4,10). Noch mehr wirkt es, wenn man die schlechten Gedanken überhaupt
ganz verachtet (hl. Fr. S.). Man soll die Versuchungen samt dem Versucher
ganz verachten, indem man schnell das Gemüt zu anderen Dingen wendet,
ohne sich stören zu lassen oder betrübt zu werden (hl. Chrys.).
- Wer sich aber mit den bösen Gedanken beschäftigt, geht dem
Kettenhunde nahe und wird von ihm verwundet. „Nur die Sünde ist schuld
daran, wenn der Teufel über den Menschen Gewalt bekommt" (hl. Chrys.).
Wenn aber der Teufel volle Gewalt bekäme, so würde kein Mensch
selig werden (hl. Laur. J.); denn der Satan hat nur seine innere Seligkeit,
nicht aber die Größe seiner Natur verloren (hl. Gr. Gr.).
Über manche Menschen gab Gott dem Teufel besondere Gewalt:
1. Gott ließ nämlich manchmal jene nach großer
Vollkommenheit strebenden Menschen, die er sehr begnadigen wollte, lange
Jahre hindurch von den Teufeln auf eine außerordentliche Weise plagen,
um sie von ihren Unvollkommenheiten gründlich zu reinigen und gehörig
zu demütigen.
Ein angebundener Kettenhund kann nämlich auch schaden, wenn
ihm sein Herr die Ketten lockert (Scar.). Gott lockerte wirklich dem Teufel
die Ketten, wenn er seine Auserwählten reinigen wollte; Gott will,
dass die Kraft in der Schwachheit vollkommen werde (2. Kor 12,9). So kam
es, dass viele Heilige mehrere Jahre von vielen Teufeln beständig
umlagert und auf eine außerordentliche Weise (also nicht etwa durch
gewöhnliche Versuchungen) geplagt wurden. Die Teufel machten es so
wie ein Feldherr, der eine feindliche Stadt belagert. Die Plagen waren
meistens folgende: Die Teufel erschienen in abscheulichen Gestalten, meistens
als wilde Tiere, peinigten durch Lärm und durch die abscheulichsten
Reden, auch durch Schläge, und verursachten oft Krankheiten. Am schrecklichsten
aber waren die Versuchungen gegen die drei göttlichen und die sittlichen
Tugenden. Über die Seelenkräfte aber hatte der Teufel nie Gewalt,
obwohl er durch Einwirkung auf die Fantasie verwirren konnte. Diese Umlagerung
durch die Teufel heißt Umsessenheit. Job war lange von den Teufeln
umlagert, ebenso der Welterlöser in der Wüste (Mt 4) und während
seines bitteren Leidens von den „Mächten der Finsternis" (Lk 22,53),
der hl. Anton der Einsiedler in der Wüste, die hl. Theresia, die hl.
Magd. v. Pazzis, in letzter Zeit Maria Mörl in Tirol (+ 1868), Pfarrer
Vianney zu Ars (+ 1859). Da diese frommen Seelen wussten, dass Gott nicht
mehr zulässt, als der Mensch ertragen kann (1. Kor 10,13), waren die
meisten in den Willen Gottes ergeben und verjagten den Teufel durch ihre
Unerschrockenheit oft auf lange Zeit. Als z. B. die Teufel die hl. Kath.
v. Siena am Leben bedrohten, sagte diese: „Nun macht nur, was ihr könnt;
was Gott recht ist, ist auch mir recht." Die hl. Magd. v. Paz. sagte zu
ihnen: „Nun merkt ihr noch immer nicht, dass ihr mich zu einer glorreichen
Siegerin macht." Der hl. Anton d. E. sagte: „O wie feige seid ihr; ihr
kommt ja gleich in einer solchen Menge." Andere haben sie wieder durch
Befehle gezwungen, Gott anzubeten. „Wenn man den Teufeln Löwenmut
entgegenstellt, so sind sie furchtsame Hasen; wenn man aber ein furchtsamer
Hase ist, dann sind sie wilde Löwen" (Scar.). Auch durch die Gnadenmittel
der Kirche, wie durch Anrufung der Namen Jesus und Maria, durch das hl.
Kreuzzeichen, durch Weihwasser und Reliquien, eifriges Gebet, häufigen
Empfang der hl. Sakramente, Exorzismus usw. wurden die Teufel auf kürzere
Dauer oder längere Zeit vertrieben. Je größere Qualen diese
Personen zu bestehen hatten, umso größer war auch der außerordentliche
Beistand Gottes; sie hatten in dieser Prüfungszeit besondere Offenbarungen,
Erscheinungen von Engeln und Heiligen und dgl. Weil aber in diesen Sachen
scbon viel Betrug unterlaufen ist, geht die Kirche hier sehr vorsichtig,
ja fast misstrauisch zu Werke. Wer diese Sachen, von denen uns die Lebensgeschichten
der Heiligen und das Brevier so viel erzählen, für unmöglich
hält oder belächelt, der ist in geistigen Dingen sehr unerfahren,
mag er wer immer sein. Auch braucht sich deswegen niemand zu fürchten,
zumal wenn er ein leichtes Leben führt; denn mit einem solchen gibt
sich der Teufel jetzt nicht sehr ab, er bekommt ihn ja später. Nur
die Heiligen sind die leckere Speise des Teufels (Hab 1,16). Nur die geistig
Gesinnten werden vom Teufel gequält, nicht aber die fleischlich Gesinnten
(hl. Bern.).
2. Auch lässt Gott manchmal zu, dass sehr lasterhafte oder glaubenslose
Menschen durch die bösen Geister hart gezüchtigt oder ganz irregeführt
werden.
Gott ließ manchmal die Leiber jener Menschen, die durch ihr
lasterhaftes Leben bereits ihre Seele dem Teufel ganz unterworfen hatten,
vom Teufel vollständig in Besitz nehmen, wie ein Feldherr eine feindliche
Stadt in Besitz nimmt. Dieser Zustand heißt Besessenheit. Besessene
gab es zur Zeit Christi viele; diese waren infolge der Besessenheit stumm
(Mt 9,32), blind (Mt 12,22), wütend (Mt 8,28) u. dgl. Der Sohn Gottes
ließ es absichtlich zu, dass zu jener Zeit, wo er auf Erden weilte,
der Teufel in seiner ganzen Macht auftrete. Er wollte einerseits dem Teufel
dessen Ohnmacht zeigen im Kampfe mit ihm, dem „Löwen von Juda"; anderseits
sollte das Volk erkennen, dass es eine Geisterwelt gebe und dass er, da
er Gewalt habe über die Teufel, im Namen Gottes wirke. - Von den Umsessenen
und Besessenen, die wider ihren Willen vom Teufel zu leiden haben, sind
die zu unterscheiden, die den Teufel beständig in sich haben, da sie
mit ihm ein Freundschaftsbündnis eingegangen sind (Apg 16,16; 1. Kön
28). Solche Fälle kommen heute wohl nur in Heidenländern vor.
- Durch die bösen Geister lässt Gott insbesondere jene irreführen,
welche Spiritismus betreiben. Der Spiritismus ist die Anrufung der Geister,
um Verborgenes zu erforschen. Er ist nicht selten Schwindel. „Doch lässt
Gott oft in seinem gerechten Gerichte bei denen, die Verborgenes von den
Geistern wissen wollen, sie manche wunderbare Dinge geschehen, wodurch
jene noch neugieriger gemacht und noch mehr in den Schlingen des Irrtums
gefangen werden" (hl. Aug.). Doch sind solche wunderbaren Dinge keineswegs
Wirkungen der heiligen Engel, sondern der bösen Geister. Insbesondere,
was die Offenbarung verborgener Dinge anbelangt, sei bemerkt, dass sich
die heiligen Engel nie dazu hergeben, Geheimes zu offenbaren zur Befriedigung
der Neugierde oder gar, um zu prahlen (Bona). Wenn tatsächlich Geheimes
geoffenbart wurde, so war vieles davon immer Lüge. Der Teufel ist
eben der Vater der Lüge (Joh 8,44). Spiritisten verlieren gewöhnlich
die Ruhe des Geistes und ihre Gesundheit; manche haben ihre Verirrung schon
mit dem Leben bezahlen müssen. Spiritisten wurden oft so verblendet,
dass sie die größten Verbrechen und Torheiten ausgeführt
haben. (Eine ausführliche Abhandlung über den Spiritismus findet
sich in diesem Werke beim Aberglauben.)
4. Die Engel, die Gott treu geblieben sind, schauen ewig das Angesicht
Gottes und loben Gott.
Von den Schutzengeln der Kinder sagt Christus: „Ich
sage euch, ihre Engel im Himmel sehen immerfort das Angesicht meines Vaters,
der im Himmel ist" (Mt 18,19). Weil die Engel die Majestät
Gottes klar schauen, so brechen sie in ihrer Freude und Begeisterung in
Lobgesänge aus. Man denke an das dreimalige Heilig der Seraphim (Jes
6,3) und an den Lobgesang der Engel auf den Feldern Bethlehems. Die hl.
Engel werden abgebildet: als Kinder, weil sie unsterblich, also immer jung
sind; mit Flügeln, weil sie im Dienste Gottes so schnell sind wie
der Gedanke; mit doppeltem Gesichte, weil sie eine große Erkenntnis
haben; mit Harfen, weil sie Gott lobsingen; mit Lilien in der Hand, weil
sie unschuldig sind; mit einem Kopfe ohne Leib, weil sie keinen Körper
haben; ihre Bilder sind bei Altären, weil sie beim hl. Opfer unsichtbar
zugegen sind. - Die heiligen Engel besitzen eine überaus große
Schönheit. „Wenn jemand einen Engel in seiner ganzen Schönheit
sehen würde, so müsste er von seinem Glanze erblinden" (hl. Brig.).
Wenn ein Engel am Firmamente sichtbar würde, und neben ihm so viele
Sonnen wären, wie Sterne am Himmel sind, so würden die Sonnen
durch den Glanz des Engels ebenso verschwinden, wie die Sterne vor der
Sonne verschwinden (hl. Ans.). Daher konnten sich die heiligen Engel bei
ihren Erscheinungen den Menschen nie in ihrem ganzen Glanze zeigen. - Die
heiligen Engel werden im Himmel unsere Gefährten sein. Deshalb freuen
sie sich auf uns. Das Hochzeitsmahl ist zubereitet, aber das Haus ist noch
nicht voll, es werden mehr Gäste erwartet" (hl. Bern.). Deshalb nehmen
die hl. Engel so sehr Anteil an unserem geistigen Leben. Der Heiland sagt,
sie freuen sich über einen Sünder, der Buße tut (Lk 15,10).
Sie greifen sogar oft in unser geistiges und leibliches Leben ein, wenn
wir ihnen nur durch unsere Sünden keine Hindernisse bereiten.
Die heiligen Engel heißen auch Schutzengel, weil sie uns beschützen.
(Hebr 1,14)
Durch die Jakobsleiter wurde der Dienst veranschaulicht, den uns
die hl. Engel erweisen. Die hl. Engel stiegen nämlich auf jener Leiter,
die vom Himmel auf die Erde herabreichte, und über der der liebe Gott
war, auf und nieder; sie kommen nämlich herab zu unserem Schutze und
steigen wieder hinauf zur Verherrlichung Gottes (1. Mos 28,12). Die heiligen
Engel sind Begleiter, die uns der himmlische Vater auf dieser gefahrvollen
Lebensreise als Führer bestellt hat (Segneri). Die heiligen Schutzengel
bewachen uns so treu wie ein Hirt seine Herde (hl. Bas.). Die Engel sehen
es als ihr edelstes Geschäft an, durch ihre Dienste unser Seelenheil
zu fördern (hl. Dion. Ar.). Es könnte uns auffallen, dass die
Engel zu unserem Dienste da sind; doch man bedenke, dass selbst der Schöpfer
und der König der Engel nicht gekommen ist, um bedient zu werden,
sondern um zu dienen und sein Leben für viele hinzugeben (hl. Bern.).
Der Dienst, den uns die hl. Engel erweisen, verursacht ihnen weder Mühe
noch Kummer, sondern vielmehr Freuden und macht einen Teil ihrer Glückseligkeit
aus; denn da sie Gott über alles lieben, gibt es für sie nichts
Angenehmeres, als zur Rettung der Seelen und dadurch zur Verherrlichung
Gottes beizutragen. - Es ist die Meinung der Kirchenlehrer, dass jeder
Mensch einen Schutzengel habe. „O hohe Würde der Menschenseele, die
gleich vom Tage der Geburt einen Engel zum Beschützer hat!" (hl. Hier.).
Die Würde des Schutzengels richtet sich nach der Würde des ihm
zur Obhut anvertrauten Menschen. Die einfachen Christen haben einen Engel
niederen Ranges, einen höheren haben die Priester, einen höheren
die Bischöfe, der Papst endlich hat einen der mächtigsten Geister
des himmlischen Hofes zum Schutzengel. Ebenso verhält es sich mit
den weltlichen Obrigkeiten, mit den Fürsten und Königen der Erde
(Maria Lat.). Aber nicht nur die einzelnen Menschen haben ihren Schutzengel,
auch jede Stadt, jedes Reich, jede Familie, jede Pfarrei, jede Klostergemeinde
hat ihren Schutzengel (Maria Lat.).
Die Schutzengel helfen uns in
folgender Weise:
1. Sie geben uns gute Gedanken ein und bewegen unseren Willen zum
Guten.
Die Engel auf den Feldern Bethlehems, die Engel beim Grabe Christi
und bei der Himmelfahrt sprachen zu den Menschen; in der Regel aber wirken
die Engel auf den Menschen in einer unsichtbaren Weise ein, ohne ihn sichtbar
anzusprechen. In einem Orte bei Reichenberg in Böhmen unternahmen
die Schulkinder im Jahre 1890 einen Ausflug in den Wald. Hier wurden sie
von einem Gewitter überrascht. Sie stellten sich während des
starken Regens unter einen Baum. Plötzlich wurde ein Kind innerlich
gedrängt, von diesem Baume wegzulaufen; alle anderen Kinder folgten
ihm nach. Kaum waren sie fort, so schlug der Blitz in den ersten Baum und
zertrümmerte ihn vollständig. Die Eltern stellten an jener Stelle
den heiligen Schutzengeln zum Danke ein Kreuz auf. Wer hat jenem Kinde
den guten Gedanken eingegeben? (Spirago, Beispiele). - Doch sind Gedanken,
die uns sehr beunruhigen, nicht von Gott, also auch nicht von den heiligen
Engeln. Denn Gott ist ein Gott des Friedens (hl. Ther.).
2. Sie tragen unsere Gebete und guten Werke Gott vor.
Raphael trug, wie er selbst erklärte, die Gebete des Tobias
zu Gott empor (Tob 12,12). Bei jeder Messe betet der Priester, Gott möge
das hl. Opfer durch die Hände des hl. Engels zu seinem himmlischen
Throne emportragen lassen. (3. Gebet nach der Wandlung). Die hl. Engel
tragen unsere Gebete nicht darum Gott vor, weil sie ihm sonst unbekannt
wären (denn Gott sind alle Dinge bekannt, ehe sie sind), sondern damit
sie mit unserem Gebete ihre heiligen Wünsche vereinigen und unser
Gebet noch wirksamer machen (hl. Bonav). An allen Wohltaten, die uns Gott
gewährt, hat der Schutzengel einigen Anteil, weil er sie uns erbitten
hilft (hl. Th. Aq.).
3. Sie beschützen uns in Gefahren.
„Seinen Engeln hat er deinethalben
befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen" (Ps 90,11).
Es wurden z. B. von den hl. Engeln beschützt: Petrus im Gefängnisse
(Apg 12), die drei Jünglinge im Feuerofen (Dan 3), Daniel in der Löwengrube
(Dan 14). Namentlich hört man oft, dass Kinder selbst beim Falle aus
hohen Stockwerken unverletzt blieben. So las man seinerzeit in den Zeitungen,
es sei am 3. Mai 1893 zu Paris in der Straße Rue de Clignoncourt
Nr. 47 ein dreijähriges Mädchen, Henriette Ferry, aus dem 5.
Stockwerk herabgefallen und unversehrt geblieben. Im September 1911 fiel
in London (Broux) die zweijährige Elfie Freemann aus dem Fenster des
6. Stockwerkes und blieb unverletzt. Am 9. Juli 1895 fiel das dreijährige
Söhnchen des Prinzen Alexander Salm auf der Aspangbahn hinter Wien
aus dem Zuge, da der Sturmwind die Wagentür aufgerissen hatte. Das
Kind verschwand unter dem dahinrasenden Zuge. Man gab das Notsignal und
der Zug blieb stehen. Zum Staunen aber lief das Kind wohlbehalten dem Zuge
nach (Spirago, Beispiele). - Der hl. Schutzengel vermag insbesondere Nachstellungen
des bösen Feindes von uns abzuhalten; denn die hl. Engel haben Gewalt
über die bösen Engel; das bewies z. B. der Erzengel Raphael (Tob
8). Das Erscheinen des guten Engels genügt, um den bösen Feind
in die Flucht zu treiben (hl. Franziska Rom.). Dies kommt daher, weil der
liebe Gott die Geschöpfe, je nachdem sie ihm mehr oder weniger nahestehen,
an seiner Weltregierung teilnehmen lässt. Vollkommene Geschöpfe
haben somit auf die niederen Einfluss. Die höchste Vollkommenheit
ist die Anschauung Gottes. Demnach hat ein hl. Engel niederer Rangordnung
selbst über einen bösen Engel höherer Ordnung Gewalt. Nur
vermag er nicht solche Nachstellungen des bösen Feindes zu verhindern,
die zu unserem Seelenheile beitragen (hl. Th. Aq.). Erstehe dir sonach
den Schutz des hl. Engels namentlich vor der Reise! Diesen Schutz wünschte
Tobias seinem abreisenden Sohne; er sprach: „Der
Engel Gottes begleite euch!" (Tob 5,21).
4. Sie offenbaren manchen Menschen den Willen Gottes.
Man denke an das Opfer des Abraham, an die Botschaft des Gabriel
bei Zacharias und bei Maria in Nazareth. - Alle Offenbarungen und Erscheinungen
der hl. Engel setzen anfangs in Furcht und Schrecken, dann erst erfüllen
sie mit Freude und Trost. Wie sehr erschraken die Hirten zu Bethlehem,
wie sehr Maria, wie sehr Zacharias, wie sehr Tobias, als sich ihnen die
heiligen Engel offenbarten. Daher mussten die heiligen Engel die Erschreckten
selbst trösten. Bei den Erscheinungen des bösen Geistes geschieht
das Gegenteil. Zuerst tritt Ruhe ein, dann Verwirrung und zuletzt Schrecken.
- Die heiligen Engel erscheinen immer in Menschengestalt, die Teufel aber
in verschiedener Gestalt, namentlich in der Gestalt von Tieren (ausgenommen
die Lamm- und Taubengestalt); ja sie nehmen selbst die Gestalt von Lichtengeln
oder der Mutter Gottes oder Christi an (Ben. XIV). Sie erscheinen in der
Regel solchen Menschen, die aus Neugierde oder Hochmut nach außergewöhnlichen
Dingen verlangen, um sie irrezuführen; man denke z. B. an die Spiritisten.
Damit uns die heiligen Engel beschützen, sollen wir uns bemühen,
ihnen durch ein heiliges Leben ähnlich zu werden; wir sollen sie ferner
verehren und recht oft um ihre Hilfe anrufen.
Die Erfahrung lehrt, dass sich besonders unschuldige Kinder eines
wunderbaren Schutzes erfreuen; daraus folgt, dass uns die Unschuld zu Freunden
der heiligen Engel macht. „Die Gottesliebe ist es, die uns den heiligen
Engeln liebenswürdig macht" (M. Lat.). Die Sünde aber vertreibt
den heiligen Engel wie der Rauch die Bienen (hl. Bas.). Wird also wohl
der hl. Engel einen Knaben beschützen, der auf den Baum steigt, um
ein Vogelnest zu zerstören? Oder einen Sonntagsarbeiter, der ohne
Not auf dem Felde arbeitet? Keineswegs. Man weiß sogar, dass solche
Leute oft verunglückten. - Es versteht sich von selbst, dass uns die
hl. Engel noch mehr Schutz gewähren, wenn wir sie durch unsere Gebetsrufe
bestürmen. Übrigens will auch Gott nur dann seine Gnaden ausspenden,
wenn man darum bittet. An diese göttliche Anordnung müssen sich
auch die hl. Engel halten. Bete also täglich zum hl. Schutzengel;
begrüße ihn beim Eintritt ins Haus; beglückwünsche
ihn, dass er treu geblieben; danke ihm nach erhaltener Wohltat. Es gebührt
unserm Schutzengel noch ein größerer Dank als unserer Mutter;
denn er sorgt nicht nur in der Kindheit, sondern in unserm ganzen Leben
für uns, und er sorgt nicht nur für den sterblichen Leib, sondern
für das ewige Heil unserer Seele (Hunolt). Sei dem hl. Engel so dankbar
wie Tobias, der sprach: „Vater! Welchen Lohn sollen
wir ihm geben, oder womit können seine Wohltaten nach Verdienst vergolten
werden?" (Tob 12,2). Die Kirche feiert am 5. Oktober das Schutzengelfest
(mancherorts fällt es auf den 1. Sonntag im September) und hat den
Montag der Verehrung der Schutzengel geweiht. Man ehre auch das Bild des
hl. Schutzengels. Gewöhnlich sieht man folgende Schutzengelbilder:
1. In der Wiege liegt ein schlafendes Kind, daneben steht ein betender
Engel. (Der Engel als Beschützer des Lebens). 2. Ein Kind geht über
eine schmale Brücke, der Engel führt es. (Der Engel als Begleiter
zum Himmel). 3. Ein Kind geht im Freien, daneben kriecht eine Schlange,
die das Kind beißen will. Der Schutzengel zieht es auf die Seite
und wehrt die Schlange ab. (Der Engel als Helfer in der Versuchung). 4.
Ein Engel fliegt zum Himmel mit einem Kinde in den Armen. (Der Engel als
Helfer im Tode).
Zur
Theologie der heiligen Engel
Ferdinand Holböck (Entscheidung, November
1969)
Im Credo des Gottesvolkes, das Papst Paul VI. zum Jahr des Glaubens
verkündet hat, heißt es, dass der Schöpfergott nicht bloß
die sichtbaren Dinge dieser vergänglichen, stofflichen Welt ins Dasein
gerufen hat, sondern auch „die unsichtbaren Dinge, wie es die reinen Geister
sind, die wir Engel nennen". Der Papst beruft sich dabei mit Recht auf
eine diesbezügliche definitive Entscheidung des IV. Laterankonzils
(DS 800), die das I. Vaticanum wörtlich wiederholt hat: „Wir glauben
fest und bekennen mit aufrichtigem Herzen ...: Gott hat in seiner allmächtigen
Kraft zu Beginn der Zeit in gleicher Weise beide Ordnungen der Schöpfung
aus dem Nichts erschaffen: die geistige und die materielle, d. h. die Engelwelt
und die irdische Welt" (DS 3002).
Die Kirche glaubt jedoch nicht erst seit dem IV. Laterankonzil (1215)
an die Existenz von Engeln. Sie hat vielmehr diesem ihrem Glauben von allem
Anfang an sehr klaren Ausdruck gegeben, vor allem in liturgischen Texten.
Man denke nur an die Praefationen, in denen sehr nachdrücklich davon
gesprochen wird, dass die Engel mit uns Menschen zusammen den dreifaltigen
Gott loben und preisen. Welche bedeutsame Rolle spielen die Engel nicht
erst in der Frömmigkeit der Gläubigen, speziell im Leben mancher
Heiliger! Sollte das alles nur Irrtum sein oder rudimentärer Rest
primitiver Religiosität, in der ja der „Geisterglaube" sehr stark
ist? Wie steht es mit der Behauptung, dass die Engel nur ein Teil des Weltbildes
der Bibel seien und nicht mehr in unser modernes Weltbild hineinpassten?
Es ist ganz sicher nicht bloß eine völlig unberechtigte
Übertreibung, sondern ein glaubenswidriges Unterfangen, wenn man in
den in der Heiligen Scbrift des Alten und des Neuen Testamentes so häufig
erwähnten Engelsgestalten „nur mythische Bilder sehen und daher die
Entmythologisierung bis zu jenem Grad vorantreiben will, dass man unter
den Engeln nichts anderes mehr versteht als nur Symbole für die Wirksamkeit
Gottes selbst" (M. Schmaus, Der Glaube der Kirche 1/416). Zugegeben, in
manchen alttestamentlichen Texten ist „der Engel" als ein solches Symbol
zu verstehen. Man kann und darf aber unmöglich alle Engeltexte der
Heiligen Schrift in diesem Sinne erklären. Auch kann man vielleicht
noch einräumen, dass man bei manchen Schrifttexten „die Frage offenlassen
muss, ob da von einer Tätigkeit der von Gott geschaffenen und von
den Menschen verschiedenen Engel oder bildhaft von der Tätigkeit Gottes
selbst die Rede ist. Letztlich gewinnen wir tatsächlich volle Sicherheit
über die Existenz von Engeln nur durch Christus. Er selbst aber hat
die Tätigkeit von Engeln klar bezeugt" (M. Schmaus, ebd.). „Man wird
wegen der konziliaren Aussagen (auf dem IV. Laterankonzil und I. Vaticanum)
die Existenz von Engeln nicht bestreiten dürfen, ... man wird (unbeschadet
einer genaueren Interpretation der biblischen Aussagen über die
Engel und Dämonen ...) daran festhalten müssen, dass die Existenz
von Engeln und Dämonen auch in der Hl. Schrift ausgesagt und nicht
bloß als Hypothese vorausgesetzt wird, die für uns heute wegfallen
könnte" (Sacramentum mundi 1/1039).
Die Existenz der Engel bestreiten, den Glauben an sie bezweifeln
und in Frage stellen oder gar lächerlich machen, wie es heute bereits
bisweilen geschieht, ist ohne Zweifel unchristlich; sich dabei etwa gar
noch auf das II. Vaticanum zu berufen, stellt eine unverschämte Verfälschung
dieses Konzils dar. Mit Recht betont ein gediegener Kenner der Konzilsdokumente:
„Wenn in unseren Tagen das Dasein und die Wirksamkeit der Engel und Dämonen
in Frage gestellt und vielfach geleugnet wird, mag man sich dabei auf manche
(sehr fragliche) ,Autoritäten' berufen, zu Unrecht jedenfalls auf
jene des II. Vaticanums, denn aus diesem gingen Angelologie und Dämonologie
bestätigt und erweitert hervor" (G. Blasko im „Oberrheinischen Pastoralblatt"
1967, 247).
(Quelle: "Dienst am Glauben",
Heft 1 - 2016, S. 11-20, A-6094 Axams)
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Biblische
Angelologie in ihren Fundamenten