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Mirjam von Abellin - ihr Leben öffnet den Zugang zu einer unsichtbaren
Welt.
Welche Kraft in der katholischen Mystik verborgen liegt, zeigt das
Leben dieser großen Sühneopferseele. Ihr Leben öffnet uns
den Zugang zu einer unsichtbaren Welt, die dem gewöhnlichen Auge verborgen
bleibt. Diese begnadete Karmelitin zählt zu den leuchtenden Gestalten
des Glaubens. Papst Franziskus hat schon zu Jahresbeginn die Heiligsprechung
der seligen Mirjam von Abellin angekündigt. Gemeinsam mit drei weiteren
Ordensfrauen wurde die palästinensische Karmelitin nun am 17. Mai
2015 in Rom zur Ehre der Altäre erhoben. Mirjam Baouardy von Abellin
OCD (ihr Ordensname ist Maria von Jesus dem Gekreuzigten) wurde 1846 in
Abellin Galiläa geboren. Sie ist eine Selige aus dem Heiligen Land
und wird gelegentlich die „kleine Araberin" genannt. Mirjam wurde am 5.
Januar 1846 in Abellin, nur wenige km von Nazareth entfernt, in Galiläa
im Heiligen Land geboren. Die Familie von Mirjam stammte aus Damaskus.
Die Eltern hatten vor Mirjam bereits zwölf Söhne bekommen, die
alle ganz jung starben. Nach einer Wallfahrt nach Bethlehem und dortigen
Gebeten zur Jungfrau Maria kam Mirjam zur Welt. Darum wird sie auch Mirjam
von Bethlehem genannt. Bereits drei Jahre danach starben ihre Eltern. Zuvor
bekam sie aber noch einen kleinen Bruder. Mirjam wurde nach dem Tod der
Eltern von ihrem Onkel groß gezogen.
Bereits mit sieben Jahren hatte Mirjam den großen Wunsch,
die Heilige Eucharistie zu empfangen. Ihr Beichtvater vertröstete
sie auf später. Mit acht Jahren zog Mirjam und ihr Onkel nach Ägypten,
nach Alexandrien. Kurz vor ihrem dreizehnten Geburtstag wurde sie von ihrem
Onkel ohne ihr Einverständnis mit einem Bruder ihrer Tante verlobt.
Mirjam wollte aber Jungfrau bleiben und erklärte kurz vor der geplanten
Hochzeit, dass sie nicht heiraten möchte. Sie schnitt sich ihre langen
Haare ab und gab das bereits erhaltene Brautgeschenk zurück. Ihr Onkel
war darüber sehr zornig und sie wurde wie eine Sklavin behandelt.
Von ihrem Beichtvater wurde ihr die Heilige Eucharistie verweigert, weil
sie ungehorsam war. Mirjam wollte daraufhin zu ihrem Bruder nach Nazareth
flüchten. Sie wollte mit einem früheren Diener der Familie nach
Nazareth reisen. Der war Muslim und wollte Mirjam zum Islam bekehren. Sie
bekannte sich jedoch vor ihm zu Christus. "Ich eine Muslimin? Nein, niemals!
Ich bin eine Tochter der katholischen, apostolischen und römischen
Kirche und hoffe mit Gottes Gnade bis zum Tod in meiner Religion, die allein
wahr ist, zu bleiben. Der Muslim war über dieses leidenschaftlich
vorgetragene Glaubensbekenntnis so zornig, dass er ihr mit seinen Krummsäbel
die Kehle, durchschnitt. Sie überlebte, die lange Narbe dieses Einschnittes
blieb ihr jedoch ein Leben lang erhalten. Es fehlten ihr fortan auch zwei
Ringe der Luftröhre. Ein behandelnder Arzt sagte später, dass
es eigentlich nicht möglich ist, so eine Verletzung zu überleben.
Später erzählte Mirjam, dass sie bei diesem Angriff wirklich
gestorben war. "Ich befand mich im Himmel. Die Muttergottes, die Engel
und die Heiligen empfingen mich mit großer Güte und ich sah
meine Eltern bei ihnen. Auch den strahlenden Thron der Heiligsten Dreifaltigkeit
durfte ich sehen und Jesus in seiner Menschheit. Da sagte jemand zu mir:
Du bist Jungfrau, das ist wahr, aber dein Buch ist noch nicht vollendet."
Nach diesen Worten erwachte Mirjam in einer Grotte und eine Ordensfrau
in hellblauen Gewändern war bei ihr. Diese geheimnisvolle Krankenschwester
sprach wenig und erwies sich als außerordentlich mitfühlend.
Nach einigen Wochen sagte sie zu Mirjam: "Du wirst nach Frankreich gehen,
Karmelitin werden und in Bethlehem sterben." Danach brachte sie Mirjam
in ein Franziskanerkloster zu einem Beichtvater. Als Mirjam den Beichtstuhl
wieder verließ, war die Frau nicht mehr da. 1875 erzählte sie
ihrem geistlichen Vater, R. Estrade: "Ich weiß jetzt, dass die Ordensfrau,
die mich nach meinem Martyrium gepflegt hat, die Muttergottes war."
Nach diesem Erlebnis arbeitete Mirjam als Hausmädchen in Beirut,
später übersiedelte sie nach Marseille um in Frankreich zu arbeiten.
Kurz nach ihrer Ankunft empfing Mirjam die Heilige Eucharistie.
Sie fiel daraufhin in eine viertägige Ekstase. Sie wurde anschließend
in das Postulat der Josefschwestern aufgenommen. Mit 20 Jahren empfing
sie die Wundmale Christi. Die Ordensgemeinschaft war über Mirjam geteilter
Meinung, und eine Zulassung zum Noviziat, die sie sich so ersehnte, wurde
ihr verwehrt. Daraufhin wurde sie von der Oberin, die von der Echtheit
ihres religiösen Lebens überzeugt war, zu den Karmelitinnen des
Pau geschickt, wo sie 1867 eintrat. Sie bekam den Namen "Mirjam von Jesus
dem Gekreuzigten" und ging für mehrere Jahre nach Indien in die Mission.
1872 kehrte sie nach Frankreich zurück. Mirjam hatte die Fähigkeit
der Bilokation, außerdem hatte sie Prophezeiungen und viele Visionen.
Ihre Mystik lässt sich nur als brennende Leidenschaft für Gott,
der sich in Christus als opfernde Liebe geoffenbart hat, beschreiben.
1874 ging sie nach Bethlehem, wo sie nach dem Wunsch des Heilandes
ein Karmelkloster gründete. Später folgte auch eine Ordensgründung
in Nazareth. Sie half immer wieder bei den Arbeiten mit. Am 22. August
1878 stürzt sie bei den Arbeiten nieder und brach sich den Arm. Sie
sah ihr Ende kommen. Am Morgen des 27. August 1878 wacht sie noch einmal
auf. "0 ja, Barmherzigkeit!" waren ihre letzten Worte, bevor sie starb.
Am 13. November 1983 wurde Mirjam von Abellin von Papst Johannes Paul II.
selig gesprochen und zur Friedenspatronin des Nahen Osten ernannt. Papst
Johannes Paul II. hatte festgestellt: „Ihr ganzes Leben ist eine Frucht
der höchsten Weisheit des Evangeliums. Es gefällt Gott, die Demütigen
und Armen zu erwählen, um die Mächtigen zu beschämen (vgl.
1 Kor 1, 26-29). Sie hatte nie die Möglichkeit erhalten, höhere
Studien zu betreiben, obwohl sie mit einer großen inneren Klarheit,
mit einer lebendigen natürlichen Intelligenz und mit jener poetischen
Vorstellungskraft, die dem semitischen Volk eigen ist, begabt war. Dennoch
wurde sie, dank ihrer hervorragenden Tugenden, mit dieser wertvollen ,Kenntnis'
erfüllt, die Christus, der am Kreuz für uns gestorben ist, uns
gibt: die Kenntnis des Mysteriums der Dreifaltigkeit, eine für die
orientalische christliche Spiritualität, in der die kleine Araberin
erzogen wurde, so wichtige Einsicht."
Literatur aus dem Mediatrix-Verlag:
(Quelle: "Der Gefährte"
Nr. 3, Mai/Juni 2015, S. 8 - 11, Mediatrix-Verlag, St. Andrä)
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